Herbstsession 2011




Es ist der 12.09.11 als mich mein Wecker um 04:30 Uhr aus allen Träumen reist. Aufstehen und nach einem frischen Kaffee breche ich pünktlich um 05:00 Uhr Richtung A72 auf. Ich habe es eilig, denn bereits um 06:30 Uhr habe ich mich mit Winni auf der A 38 - Parkplatz Fuchsaue - verabrednet. Wie für einen Montagmorgen üblich, ist die B 95 zwischen Chemnitz und Borna wieder sehr gut besucht und so zieht sich dieses Stück zäh wie Gummi.

Nach dem unsere geliebten Herbstsessions in den letzten 2 Jahren ausgefallen sind, ist die Vorfreude auf eine Woche gemeinsames Angeln mit Winni umso größer. Nach langen Diskussionen haben wir uns, für ein für uns völlig unbekanntes Gewässer entschieden. Es handelt sich um eine alte und stark verkrautete Kiesgrube, welchen einen guten, aber keinen besonders dichten Bestand an Karpfen beherbergen soll. Da wir jedoch nicht auf Masse aus sind, ist dies für uns genau richtig.  

Fast auf die Sekunde genau treffe ich auf dem Parkplatz ein. Wie erwartet, ist Winni bereits da. Nach einen kurzen Smalltalk brechen wir auf und nehmen die letzten Kilometer gemeinsam in Angriff.

Am Gewässer angekommen nehmen wir erstmal die Lokalitäten in Augenschein. Unsere anvisierten Plätze sind frei und schnell gefunden. Rechts von uns sitzen bereits seit Samstag 3 Hunter, welche das Unwetter der letzten Nacht scheinbar gut überstanden haben. Ok, nun beginnt das Unangenehme und die Schwerstarbeit. Tackle aus dem Auto laden, zum Wasser tragen (hierfür brauchen wir heute Watstiefel), Schlauchboote aufpumpen und übersetzen.

Nach scheinbar endlosen Minuten haben wir unsere Plätze erreicht, uns häuslich eingerichtet, die Rod Pod's plaziert und sind eigentlich fix und fertig. Inziwschen meint es die Sonne gut mit uns und der Himmel reißt auf. Winni's hellgrünes CHL-Shirt hat sich inzwischen dunkelgrün gefärbt, ein Zeichen dafür, dass man auch ohne Regen tropfnass werden kann.

Ab ins Boot und Spots suchen. An der Uferkante fällt der Grund schnell auf ca. 4 m. In 60 m Entfernung beginnt eine riesige Krautbank. Das Kraut reicht an manchen Stellen bis auf 80 cm unter der Oberfläche. Trotz Poolbrille und Spotfinder waren hier keine freien Kiesstellen oder Frasslöcher erkennbar. Ein Fischen erschien hier unmöglich.

Ich entscheide mich am Ende für eine Stelle am Ende der Krautbank. Das Kraut endet hier plötzlich im rechten Winkel. Die Tiefe beträgt laut Echolot 3,70 m und der Grund ist hart. Für Rute 2 finde ich trotz intensiver Suche keinen mir zu sprechenden Platz. Ich entscheide mich am Ende für einen Platz in ca. 60 m Entfernung und etwas niedrigerem Krautbewuchs. Winni sucht sein Heil in der Entfernung und fischt mehr in Richtung Freiwasser.

Bei Rute 1 vertraue ich auf Bewährtes und beködere sie mit einem 24er Sinker Redmusselmix von MM-Baits plus 14er Pop Up. Diese Variante erscheint mir bei dem verkautetem Grund als geeignet. Dazu wird alles in einen PVA Bag verstaut. Dazu gibt es einen Mix aus Partikel (Tigers, Weizen, Hanf, Mais und Kichererbsen) sowie Kullern in den Größen 20, 24 und 30. Bei Rute 2 vertraue ich auf die Kombi Banane/Fisch. Winni testet verschiedene Produkte von Undercover Baits.

Es ist gegen 20 Uhr, als sich mein Delkim meldet. Leichter Faller, Schnur wieder gespannt und Feierabend. Sollte sich ein Brassen an meinem Köder probiert haben?. Um mein Gewissen zu beruhigen, entscheide ich mich die Rute zu kontrollieren. Da dies nur vom Boot ausgeht, packe ich den Kescher mit ein, besser ist besser. Winni fragt noch, ob er mit fahren soll. Ich verneine. Es war eine gute Entscheidung, denn nur einen Augenblick später bekommt er einen Vollrun.

Bis zum Marker verspüre ich keine Fischaktionen. Dann kommt ein riesiges Krautbüschel zum Vorschein. Mühsam befreie ich die Schnur per Hand vom Kraut. Plötzlich reißt es die Rute nach unten. Es ist doch ein Fisch am Haken und sicherlich kein Brassen. Der Fisch entpuppt sich als herrlicher und kampfstarker Fullscaled. Der Drill machte richtig Spaß. Immer wieder versuchte er sich erneut ins Kraut zu bohren. Seine schlanke Form und die großen kräfigen Flossen, lassen seine Kraft erahnen.


Winni's Vollrun entpuppte sich als halbstarker Schuppenkarpfen.  Glücklich über den gelungenen Start gingen wir zum gemütlichen Teil des Abends über und genehmigten uns das eine oder andere Tässchen. Nach einem anstrengenden Tag verzogen wir uns dann gegen Mitternacht in die Schlafsäcke.

Nach einer ruhigen Nacht ohne jegliche Aktion an den Bissanzeigern kündigte sich gegen kurz nach 6 Uhr der neue Tage mit einem herrlichen Morgenrot an. Schlafsack über den Kopf gezogen und noch etwas gedöst. Als mich mein Delkim weckt ist es kurz nach 7 Uhr - ein Vollrun auf der Snowmanrute. Also ab ins Boot und dem Fisch entgegen. Ca. 10 m rechts vom Marker habe ich ihn dann gestellt und er kann sich im Mittelwasser austoben. Von der Statur her eine andere Kategorie im Vergleich zum ersten Fisch. Mit 15,5 kg knackt er die 30er-Marke.


Nach Frühstück und Fotosession wurden mit Lutz die aktuellem News ausgetauscht und eine Brotbestellung aufgegeben. Lutz wollte uns am Abend besuchen kommen. Er berichtet uns, dass auch unsere Nachbarn erfolgreich gewesen sind, diese konnte bisher Fische bis 37 Pfund verführen.


Am frühen Nachmittag wurden die Ruten neu beködert. Bei der Kontrolle meiner Snowmanrute musste ich feststellen, dass sich ein Brassen unbemerkt den Ködern geschnappt hatte. Er wurde waidgerecht und sorgsam abgehakt und dem nassen Element wieder über geben. Gleichzeitig entschieden wir uns, ziemlich am Beginn der Krautbank einen Mittelspot gemeinsam zu befischen. Hier gab es einen ca. 5 m breiten relativ krautfreien Streifen, welchen wir für die Nacht mit einem Stabmarker kennzeichneten.

Am späten Nachmittag gab es dann bei Winni den nächsten Vollrun. Vom Ufer sah der Drill richtig spannend aus, denn Winni wurde mit seinem Schlauchboot Richtung Seemitte gezogen. Der wilde Kämpfer entpuppte sich dann jedoch als halbstarker Schuppenkarpfen. Gemeinsam mit Lutz ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Die Nacht und der Mittwoch verliefen relativ ruhig und unspektakulär. Nur meine bereits bekannte Snowmanrute meldet gegen Mittag Alarm und bei herrlichem Sonnenschein  konnte ein ca. 18 pfündiger Schuppenkarpfen gelandet werden.

Da unser gemeinsames Mittelspot bisher keine Aktion gebracht hatte, nutzte ich den Nachmittag für die Suche eines neuen Platzes. Rechts von mir fand ich eine Stelle, welche von hohem Kraut umgeben war, selbst allerdings nur von optisch niedrigen Krautwuchs aufwies. Der Boden war fest, wurde dann nach rechts weicher. Für die letzten 3 Nächte wollte ich hier fischen. Als Köder entschied ich mich für einen ausbalancierten Sinker, bestehend aus einer 13er Korkkugel, um die ein 24er Sinker geknetet war. Ergab dann sicherlich etwas in Richtung 30 mm. Gefüttert wurden beide Ruten mit Partikeln und ca. 1 kg Bolies.

Es war noch dunkel, als ich Punkt 5 Uhr einen Vollrun auf meiner linken Rute bekam. Dies war die auf dem neuen Platz abgelegte Rute - also schonmal alles richtig gemacht. Ab ins Boot, Richtung Marker gerudert und Kontakt zum Fisch aufgenommen. Dieser zeigte sich dann im Freiwasser als gewichtiger Schuppenkarpfen., welcher es tatsächlich noch einmal schaffte, im Kraut festzusetzen, aber glücklicherweise blieb dies ohne Folgen. Das vermutete Gewicht bestätigte sich allerdings beim Wiegen nicht, die Waage blieb bei genau 15 kg stehen.

Ich war gerade aufgestanden und reckte mich vor meinem Bivvy, als die Snowmanrute den nächsten Biss vermeldet. Da Winni die Rute nicht übernehmen wollte, er war am Zähne putzen. Machte ich mich auf den Weg zum Fisch., welcher sich als makelloser Spiegler von 12 kg entpuppte. Was für ein Tagesanfang.


Beim neuen Ausbringen der Ruten stellte ich auf meinem linken Spot einige helle Flecken fest. Dank des Spotfinders konnte ich erkennen, dass ich es innerhalb von 24 Stunden geschafft hat, freie Kiesstellen zu füttern. Der Platz wurden von vielen Kleinfischen bevölkert. Um diesen Effekt zu verstärken fütterte ich nun verstärkt Partikel und Groundbait neben den Boilies.

Am Nachmittag besuchte uns Jens von gegenüber. Bei einen gemeinsam Bierchen plauderten wir bis zum frühen Abend. Dann kam Winnis Stunde. Der Bissanzeiger seiner gerade eben abgelegten Rute meldete sich. Voller Vorfreude begab sich unser "fast Geburtstagskind" ins Boot und ruderte dem erhofften Carp entgegen. Doch was war das? Aus dem Kraut erschien ein gut genährter und ca. 80 cm langer Aal. Ein Aal, der jedem Aalangler ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätte. Nicht so bei Winni und so landete dieser schleimige Geselle, nicht im Räucherofen, sondern wieder im Wasser.

Pünktlich um Mitternacht wurde auf Winnis Geburtstag angestoßen, danach ging es in die Schlafsäcke. Die Nacht verlief ruhig und ohne Aktionen. Winni verabschiedete sich dann am frühen Vormittag. Er musste noch Vorbereitungen für seine anstehende Geburtstagsparty treffen. Ich blieb erwartungsfroh noch eine Nacht am Gewässer.

Der Rest der Woche ist schnell zusammen gefasst. Ich bekam noch 2 Bisse auf meiner bekannten Snowmanrute und beide Fische gingen leider verloren. Fisch 1 setzte sich im Kraut fest und schlitzte aus. Bei Fisch 2 riss das Vorfach. Ärgerlich, aber dies gehört zu unserem Hobby nun auch dazu. Interessant finde ich das Bissverhältnis, 6 von 7 Karpfenbisses kamen auf ein und derselben Rute. 
Am Ende bleibt neben den Erinnerungen an eine super Woche mit Winni, die Vorfreude auf die nächste gemeinsame Session.

In diesem Sinne

Gruß

Mo





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